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Anhalteweg berechnen

Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg für jedes Tempo: Faustformel der Fahrschule oder Physik mit Nässe, Schnee und Gefälle, dazu der Check auf Sicht.

Der Anhalteweg ist die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg. Die Faustformel der Fahrschule rechnet den Reaktionsweg als (Tempo : 10) x 3 und den Bremsweg als (Tempo : 10) x (Tempo : 10). Bei 50 km/h ergibt das 15 m plus 25 m, also 40 m. Eine Gefahrbremsung halbiert den Bremsweg.

Methode
Bremsung

Oder die Sichtweite; 0 lässt die Prüfung weg

Anhalteweg

40 m

  • Reaktionsweg38 %
  • Bremsweg63 %
Reaktionsweg
15 m
Bremsweg
25 m
Zeit bis zum Stillstand
4,7 s
Bremsverzögerung (m/s²)
3,86
Rechtzeitig stehen?
Steht vor dem Hindernis
Reserve
10 m
Höchsttempo für die Strecke
57 km/h

TempoReaktionBremswegGesamt
30 km/h9 m9 m18 m
50 km/h15 m25 m40 m
70 km/h21 m49 m70 m
100 km/h30 m100 m130 m
130 km/h39 m169 m208 m

Dieser Anhalteweg-Rechner zeigt für jede Geschwindigkeit Reaktionsweg, Bremsweg und Gesamtstrecke, nach der Faustformel der Fahrschule oder nach der Physik. So lässt sich auch der Bremsweg berechnen, bei Nässe, Schnee, Eis und Gefälle. Ein Hindernis voraus zeigt, ob das Auto davor steht. Stand 30. September 2026.

Reaktionsweg plus Bremsweg ergibt den Anhalteweg

Der Anhalteweg ist die Strecke, die ein Auto vom Erkennen einer Gefahr bis zum Stillstand zurücklegt. Er besteht aus zwei Teilen. Der Reaktionsweg ist die Strecke während der Reaktionszeit, also bis der Fuß auf der Bremse steht; so lange rollt das Auto ungebremst weiter. Der Bremsweg beginnt, sobald die Bremse greift, und endet im Stillstand. Der erste Teil wächst im gleichen Verhältnis wie die Geschwindigkeit, der zweite mit ihrem Quadrat. Schon ein kleines Plus an Tempo verlängert die Gesamtstrecke deshalb spürbar. Bei 50 km/h sind es nach der Faustformel 15 m Reaktionsweg und 25 m Bremsweg, zusammen 40 m. Mit einer Gefahrbremsung werden daraus 15 m plus 12,5 m, also 27,5 m. Die Physik mit trockenem Asphalt und 1 s Reaktionszeit kommt auf 26,2 m, weil sie kräftiger bremst als die normale Bremsung der Faustformel.

Das Ergebnis nennt dazu die Zeit bis zum Stillstand und die mittlere Bremsverzögerung. Mit den Startwerten und einem Hindernis in 50 m bleibt eine Reserve von 10 m. Die Übersicht darunter reicht von 30 km/h bis 130 km/h. Sie deckt innerorts 50 km/h und außerorts 100 km/h ab (§ 3 Abs. 3 StVO), dazu die Richtgeschwindigkeit der Autobahn von 130 km/h, eine Empfehlung und kein Tempolimit.

Die Formeln aus der Führerscheinprüfung

Die Anhalteweg Faustformel der Fahrschule besteht aus drei Regeln, die auch der amtliche Fragenkatalog der theoretischen Führerscheinprüfung verwendet (ADAC).

  • Reaktionsweg: (Geschwindigkeit : 10) x 3, gedacht für 1 s Reaktionszeit.
  • Bremsweg bei normaler Bremsung: (Geschwindigkeit : 10) x (Geschwindigkeit : 10).
  • Bremsweg bei Gefahrbremsung: dasselbe Produkt, geteilt durch 2.
  • Anhalteweg: Reaktionsweg plus Bremsweg.

Wer im Kopf den Anhalteweg berechnen will, nimmt die Zehnerstelle des Tempos. Bei 50 km/h ist das 5: 15 m Reaktionsweg und 25 m Bremsweg. Bei 100 km/h ist es 10, das ergibt 30 m plus 100 m, zusammen 130 m.

Beispiele aus dem amtlichen Fragenkatalog, mit der Faustformel nachgerechnet
FrageAufgabeErgebnis
2.2.03-00950 km/h, normale Bremsung40 m
2.2.03-006100 km/h, normale Bremsung130 m
2.2.03-016Gefahrbremsung, 40 km/h und 50 km/h8 m und 12,5 m
1.2.03-106Bremsweg, 30 km/h und 60 km/h9 m und 36 m
2.2.03-01250 m Sicht, sehr schmale Straßehöchstens 25 m

Die Formeln gelten für eine ebene, trockene, asphaltierte Fahrbahn, so steht es in Frage 2.2.03-015. Der Rechner nimmt jede Geschwindigkeit von 1 bis 250 km/h, nicht nur die Werte der Tabelle. Seine Ergebnisse sind mit festen Fällen aus diesen Fragen abgeglichen, siehe geprüfte Fälle.

Wie viel kürzer ist der Bremsweg bei einer Gefahrbremsung?

Halb so lang: Die Faustformel setzt den Bremsweg einer Gefahrbremsung auf 50 % des normalen Werts, der Reaktionsweg bleibt gleich. Bei 100 km/h bremst das Auto dann in 50 m statt in 100 m, und der Anhalteweg sinkt von 130 m auf 80 m.

Gefahrbremsung ist das Wort des Fragenkatalogs. Im Alltag heißt dasselbe Manöver Gefahrenbremsung, Notbremsung oder Vollbremsung: Das Bremspedal wird mit voller Kraft durchgetreten. Die Normalbremsung ist dagegen das dosierte Abbremsen, etwa vor einer roten Ampel oder einer Kreuzung.

Das Antiblockiersystem ABS verhindert, dass die Räder blockieren, und hält das Auto lenkbar. Einen eigenen Wert dafür kennen weder die Faustformel noch der Rechner.

Physik: Reibung, Bremsverzögerung und Gefälle

Die Physik rechnet den Anhalteweg als s = v · t + v² : (2 · a). Dabei ist v die Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde, t die Reaktionszeit und a die Bremsverzögerung.

Die Bremsverzögerung gibt an, um wie viel die Geschwindigkeit pro Sekunde abnimmt, gemessen in m/s². Sie folgt aus dem Reibungskoeffizienten μ zwischen Reifen und Fahrbahn: a = μ · g mit g = 9,81 m/s². Für trockenen Asphalt setzt der Rechner μ = 0,8 an, das ergibt 7,85 m/s².

Der Bremsweg wächst mit dem Quadrat des Tempos, weil die Bremsen die kinetische Energie des Autos abbauen müssen, und die wächst ebenso.

Ein Gefälle verlängert den Bremsweg, eine Steigung verkürzt ihn, weil die Hangabtriebskraft mitwirkt. Bei 100 km/h auf trockener Straße braucht das Auto in der Ebene 49,2 m. Bei 10 % Gefälle sind es 56,2 m, bei 10 % Steigung 43,7 m.

Warum Faustformel und Physik verschiedene Werte liefern

Beide Rechenwege stimmen, sie beschreiben verschiedene Bremsungen. Der Reaktionsweg der Faustformel entspricht eher 1,08 s als einer Sekunde. Ihre normale Bremsung unterstellt nur 3,86 m/s², weniger als die 5 m/s², die § 41 StVZO von der Betriebsbremse eines Pkw mindestens verlangt. Ihre Gefahrbremsung entspricht 7,72 m/s² und liegt nahe an der Physik.

Für 100 km/h stehen so 130 m, 80 m und 76,9 m nebeneinander. Viele Tabellen im Netz mischen diese Methoden, daher die unterschiedlichen Werte für dasselbe Tempo.

Nässe, Schnee und Glatteis im Modus Physik

Für eine nasse Fahrbahn, Schnee oder Glatteis nennt die Faustformel keinen eigenen Faktor. Im Modus Faustformel fehlt deshalb die Wahl des Fahrbahnzustands; Nässe und Winter rechnet der Modus Physik mit einem kleineren Reibwert.

Physik bei 100 km/h und 1 s Reaktionszeit
FahrbahnμBremswegAnhalteweg
Trocken0,849,2 m76,9 m
Nass0,498,3 m126,1 m
Schnee0,2196,6 m224,4 m
Eis0,1393,3 m421,1 m

Auf Schnee wird der Bremsweg damit 4-mal so lang wie auf trockenem Asphalt, auf Glatteis 8-mal. Auch Verkehrssicherheitsverbände nennen für Schnee und Glätte ein Vielfaches des trockenen Werts.

Die Werte für Schnee und Eis sind typische Lehrbuchwerte, keine amtlichen Zahlen; unter „Eigener Reibwert“ lässt sich ein anderer eintragen. Auch ein abgefahrenes Reifenprofil senkt die Haftung, vor allem bei Nässe.

Wie schnell darf man bei 50 m Sichtweite fahren?

Nach der Faustformel mit normaler Bremsung höchstens 57 km/h, denn dann passt der Anhalteweg gerade in die Sichtweite. Das verlangt das Fahren auf Sicht: Wer fährt, muss innerhalb der übersehbaren Strecke halten können (§ 3 Abs. 1 StVO).

Ist die Fahrbahn so schmal, dass Gegenverkehr gefährdet sein kann, zählt nur die halbe übersehbare Strecke. Bei 50 m Sicht bleiben dann 25 m, wie in Frage 2.2.03-012, und die Faustformel erlaubt höchstens 37 km/h. Sinkt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen unter 50 m, gilt zusätzlich höchstens 50 km/h.

Mit dem Feld „Strecke bis zum Hindernis“ lässt sich auch die Aufprallgeschwindigkeit berechnen, auch Restgeschwindigkeit genannt. Gemeint ist das Tempo, mit dem das Auto ein Hindernis noch erreicht. Wo ein Auto mit 50 km/h nach 40 m steht, kommt es mit 60 km/h an derselben Stelle noch mit etwa 37 km/h an.

Im Modus Physik zählt zusätzlich der Zustand der Fahrbahn. Mit 70 km/h und einem Hindernis in 50 m steht das Auto auf trockenem Asphalt nach 43,5 m und behält 6,5 m Reserve. Auf nasser Straße erreicht es das Hindernis mit 42 km/h.

Sicherheitsabstand, halber Tacho und Bußgeld

Der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass man auch hinter ihm halten kann, wenn es plötzlich bremst (§ 4 StVO). Eine Zahl nennt das Gesetz nicht.

Zwei Faustregeln füllen die Lücke. Nach der Regel „halber Tacho“ entspricht der Abstand in Metern der halben Geschwindigkeit in km/h, bei 100 km/h also 50 m. Die 2-Sekunden-Regel ergibt bei diesem Tempo 56 m.

Der Abstand muss nicht den ganzen Anhalteweg aufnehmen, denn das vordere Auto bremst ebenfalls. Entscheidend ist der eigene Reaktionsweg, laut Faustformel 30 m bei diesem Tempo.

Zu dichtes Auffahren ahndet der Bußgeldkatalog in Nr. 12 der Anlage (BKatV). Die Regelsätze reichen von 25 € bis 400 €, dazu kommen bis zu 2 Punkte in Flensburg. Bei hohem Tempo und sehr kleinem Abstand droht außerdem ein Fahrverbot.

Müdigkeit, Alkohol und was nicht eingerechnet ist

Den Reaktionsweg bestimmt vor allem der Mensch am Steuer. Mit 100 km/h und 1 s Reaktionszeit sind es 27,8 m; dauert die Reaktion 2 Sekunden, wächst er auf 55,6 m.

  • Müdigkeit: Gefahren werden später erkannt.
  • Ablenkung, etwa ein Blick auf das Handy: Die Bremsung beginnt später.
  • Alkohol: Die Reaktion wird langsamer, Entfernungen werden schlechter eingeschätzt.
  • Verschlissene oder heiße Bremsen: Die mögliche Verzögerung sinkt.

Der Rechner gilt für einen Pkw. Lkw, Motorrad, Fahrrad, Anhänger, Beladung und Masse bildet er nicht ab, ebenso wenig Profiltiefe, ABS, Züge, Straßenbahnen oder die Rekonstruktion eines Unfalls aus Bremsspuren.

Höheres Tempo verlängert nicht nur den Anhalteweg, es erhöht auch den Verbrauch. Was eine Fahrt an Kraftstoff kostet, zeigt der Spritkostenrechner. Wie die Formeln umgesetzt und geprüft sind, beschreibt die Methodik.

Häufige Fragen

Wie lang ist der Anhalteweg bei 50 km/h?

Nach der Faustformel 40 m: 15 m Reaktionsweg und 25 m Bremsweg. Mit einer Gefahrbremsung sind es 27,5 m. Die Physik auf trockenem Asphalt mit 1 s Reaktionszeit ergibt 26,2 m.

Welchen Bremsweg ergibt die Faustformel bei 100 km/h?

Bei normaler Bremsung 100 m, denn 10 mal 10 ergibt 100 m. Bei einer Gefahrbremsung ist es die Hälfte, also 50 m.

Verdoppelt oder vervierfacht sich der Bremsweg bei doppelter Geschwindigkeit?

Er vervierfacht sich, weil er mit dem Quadrat des Tempos wächst (Frage 1.2.03-102). Aus 9 m bei 30 km/h werden 36 m bei 60 km/h. Der Reaktionsweg verdoppelt sich nur, daher wächst der gesamte Anhalteweg etwas weniger stark.

Wie berechnet man den Anhalteweg bei 100 km/h mit 1 Sekunde Reaktionszeit?

Die Faustformel ergibt 30 m plus 100 m, zusammen 130 m. Physikalisch legt das Auto in genau einer Sekunde 27,8 m zurück. Mit trockenem Asphalt und voller Bremsung kommen 49,2 m dazu, zusammen 76,9 m.

Wie berechne ich die Restgeschwindigkeit in der Führerscheinprüfung?

Zuerst den Reaktionsweg von der Strecke bis zum Hindernis abziehen; der Rest ist der verfügbare Bremsweg. Dann gilt: Restgeschwindigkeit = Tempo x √(fehlender Bremsweg : ganzer Bremsweg). Mit 60 km/h und 40 m Strecke ergibt das etwa 37 km/h.

Warum ergibt die Physik einen kürzeren Anhalteweg als die Faustformel?

Weil die normale Bremsung der Faustformel nur 3,86 m/s² unterstellt, die Physik auf trockenem Asphalt aber 7,85 m/s². Mit der Gefahrbremsung liegen beide nah beieinander.

Wie viel länger ist der Bremsweg auf Schnee?

Mit den typischen Reibwerten des Rechners 4-mal so lang wie auf trockenem Asphalt: bei 100 km/h 196,6 m statt 49,2 m. Eine amtliche Faustformel für Schnee gibt es nicht.

Was kostet zu wenig Abstand?

Der Bußgeldkatalog sieht 25 € bis 400 € vor, je nach Tempo und Abstand. Dazu können bis zu 2 Punkte und ein Fahrverbot kommen.

Geprüft an festen Ergebnissen

Für jeden Fall unten steht das Ergebnis durch die Quelle fest. Der Rechner rechnet ihn bei jeder Veröffentlichung nach, und eine Seite, die abweicht, geht nicht online.

Quellen

Die Zahlen und Regeln auf dieser Seite wurden am anhand dieser Veröffentlichungen geprüft.

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